08 February 2011

Naskah Tua Karo (bagian 3)

Hs. B 53 Jakarta, Perpustakaan Nasional Nr. D 68


Bambusrohr von zwei Abschnitten. Lg. 60 cm, Dm. 8 cm. Z. 1 bis 20 befinden sich auf dem linken, die anderen auf dem rechten Abschnitt. Am Anfang eines jeden Abschnitts befindet sich ein Ornamentstreifen mit schlichten geometrischen Mustern. Dieses Klagelied wurde von S. Purba (1978) in allerdings fehlerhafter Transliteration und Übersetzung publiziert.



Transliteration 1



1. maka hiyo bila˝ bila˝ nu buluÓ kayan lako hiya tubuÓ ni babo ta



2. neÓ mekapal héda ni teruÓ la˜it megaja˝ héda hi jé dubé hita



3. baÓ hanak pera˜in na˜in mergana me kapken dubé la



4. ko ban suratin ˜é naténa rukur hi jé hisurati hanak



5. pera˜in na˜in mergana karo karo nu beberéna si ter



6. gelar hanak si te˜aÓ si yala˝ hala˝ héda maka hédam kataku



7. sitik ban badu ho temman senninaku maka di he˝go ni



8. perlajari surat sepulu siwaÓ héda hula la nisuwikan



9. haté hula de˝go pebuwé-buwé kata baX me˝kila si kasabuwé



10. na peterem cikurak nadé bibi kasateremna hula ta



11. wa si kura˝ buwé jagar si kura˝ teram hiyukuri ˜é hu



12. lis mirigat bula˝ bula˝ merigat habaÓna tolé pe˜ido la



13. mehuli pertubuÓ kura˝ ˜innana ho temman sinninaku



14. maka hé di me kataku sitik ban hi˜ettan dagi si kara



15. babanta gelluÓ he˝go mekapken bagi si yupama



16. na kerbo si guduk lima˝ bana picet ni yembal



17. -lemmbal logar ni bagas bakal si tertatap



18. -layo miciho terimen layo gembur si ter



19. tatap gagatan mirataÓ tergagat her



20. sam kiraÓ dagi tadi˜anna ˜é kerbo jala˝ bana di



21. la˝ kapken si karababan hukuran mama si na˜in ˜é k[1]



22. X ken si kuturiken hé di da habaÓna tolé bagi siyupamana layam



23. -layam nu sukadéri bana haminna tadi˝ pé la ban hulihan



24. haminna naktak pé la ban jemputan haminna mobak



25. pé la ban takapan dagi tadi˜anna kal ˜é layam layam nu



26. sukadéri bana di la˝ kapken si karababan hukuran mama



27. si na˜in héda si terserap pulo mele˝˜a˝ si sé rukur maka



28. di kutaktaki kuukuri ˜éda si karababanku gelluÓ



29. ho siliÓku si ˜ogé surat kataku si kasa haku hersiliÓ hen



30. taÓ haku hersennina kamu sa ˜ogé bila˝ bila˝ hanak pera˜in ha˜in



31. mergana haminna labuÓ pé bekas nurati hula hikataken kami



32. mekamis herkité kitéken hatéku céda maka labuÓ bekas nu



33. rati perban kuhukuri dubé perdalinku mabur nada˜i



34. taneÓ nageri jahé jahé héda makana naktak me dubé hiluÓku



35. kusapu dubé hayoku halu hulisku maka labuÓ héda surat



Korrekturen



Typisch für diese Handschrift ist, daß sich anstelle des Präfixes /me-/ häufig die Form /mi-/ findet. Es mag sich dabei um eine dialektische Variante handeln (Z. 12 mirigat, aber merigat in derselben Zeile; Z. 18 miciho und Z. 19 miratah. (Beispiele für regelmäßige /me-/ Formen in dieser Hs. sind mekapal, meganjang etc.). Aber auch sonst findet sich dreimal ein diakritisches anstelle eines <>: Z. 4 suratin (suraten); Z. 13 ˜innana (˜ennana) und Z. 20 kiraÓ (keraÓ).



7 ban man



8 perlajari F pelajari



8 sepulu F sepuluÓ



8 nisuikan F nisuiken



9 baX ba[pa]



9 me˝kila be˝kila



11 teram F terem



11/12 ulis uis (tb. ulos)



12 habaÓna F tabaÓna



18 terimen F terinem



21/22 ˜é k X ken ˜é kapken



22 hé di da hé di



22 habaÓna F tabahna



23&26 sukadéri sukadéli



27 mele˜a˝ F mele˜aÓ ?



27 sé sé[ya]



30 sa F si



Transliteration 2



1. Maka io bilang-bilang nu buluh kayan



2. lako ia tubuh ni babo taneh mekapal énda



3. ni teruh langit meganjang énda.



4. i jé ndubé itabah anak Peranginangin mergana mekapken ndubé



5. lako ban suraten ngé naténa rukur.



6. i jé isurati anak Peranginangin mergana,



7. Karo-Karo nu beberéna



8. si tergelar anak sintengah, si alang-alang énda,



9. maka éndam kataku sitik man bandu,



10. O teman seninaku.



11. Maka di enggo nipelajari surat sepuluh siwah énda



12. ula la nisuiken até,



13. ula denggo pebué-bué kata ba[pa]-bengkila si kasabuéna,



14. peterem cikurak nandé-bibi [si] kasateremna,



15. ula tawa si kurang bué



16. jagar si kurang terem



17. iukuri ngé uis merigat, bulang-bulang merigat,



18. tambahna tolé pengindo la mehuli,



19. pertubuh kurang ngenana,



20. O teman seninaku.



21. Maka é di me kataku sitik ban ingetan dagi si karababanta geluh



22. enggo me kapken bagi siumpamana kerbo si gunduk Limang bana



23. picet ni mbal-mbal, longgar ni bagas bakal



24. si tertatap layo meciho, terinem layo gembur



25. si tertatap gagatan meratah, tergagat ersam kirah



26. Dagi tandinganna ngé kerbo jalang bana



27. di lang kapken si karababan ukuran mama si Nangin ngé kapken



28. si kuturiken é di.



29. Tambahna tolé bagi siumpamana layam-layam nu sukandéli bana



30. aminna tading pé la ban ulihan



31. aminna naktak pé la ban jemputan



32. aminna mombak pé la ban tangkapan



33. dagi tandinganna kal ngé layam-layam nu sukandéli bana



34. di lang kapken si karababan ukuran mama si Nangin énda,



35. si terserap pulo melengah si sé[a] rukur,



36. Maka di kutaktaki kuukuri ngénda si karababanku geluh,



37. O silihku si ngogé surat kataku



38. si kasa aku ersilih entah aku ersenina



39. kamu si ngogé bilang-bilang anak Peranginangin mergana



40. aminna labuh pé bekas nurati



41. ula ikataken kami mekamis



42. erkité-kitéken atéku céda



43. maka labuh bekas nurati



44. perban kuukuri ndubé perdalinku mambur



45. nandangi taneh nageri jahé-jahé énda,



46. makana naktak me ndubé iluhku



47. kusapu ndubé ayoku alu ulisku



48. maka labuh énda surat.



Übersetzung



1. Dies ist ein Klagelied auf Kayan-Bambus



2. der auf dieser dicken Erde wuchs



3. unter diesem hohen Himmel.



4. Dort wurde er damals vom Sohn des Peranginangin Klans geschlagen



5. um ein Schriftstück zu machen, so dachte er



6. So wurde er vom Sohn des Peranginangin Klans beschrieben



7. Karo-Karo als Mutterklan



8. den man mittleres Kind nennt, den Unzureichenden



9. dies sind einige Worte an euch



10. O meine Freunde und Klangenossen.



11. Nachdem ich die neunzehn Schriftzeichen gelernt habe



12. so will ich nicht die Herzen verletzen



13. den Worten der zahlreichen Väter und Onkel nichts hinzufügen



14. den Klatsch der zahlreichen Mütter und Tanten nicht vermehren



15. verlacht nicht das, was mangelnd ist



16. scherzt nicht über das, was nicht zahlreich genug ist



17. denkt an [meine] zerrissenen Kleider, [mein] zerrissene Kopftuch



18. und daran, daß [mein] Lebenslos ein Unglückliches ist



19. [meine] Geburtsumstände nicht gut waren,



20. O meine Freunde und Klangenossen.



21. Dies sind einige Worte um zu erinnern an die Last unseres Lebens



22. das so ist wie der Büffel aus dem Orte Limang mit umgebogenen Hörnern



23. auf freiem Feld fühlt er sich beengt, auf dem Pfad frei



24. er sieht klares Wasser aber trinkt trübes Wasser



25. er sieht grünes Futter aber frißt trockenen Farn



26. so verhält es sich, wie im Falle des wilden Büffels



27. so ist das, was der Sohn vom Peranginangin Klan zu bedenken hat



28. und das ich erzähle.



29. Ferner ist es wie ein Haarknoten aus Stroh



30. bleibt er zurück, wird er nicht geholt



31. fällt er herab, wird er nicht aufgehoben



32. fällt er ins Wasser, wird er nicht herausgeholt



33. so verhält es sich, wie im Falle des Haarknotens aus Stroh



34. so ist das, was der Sohn vom Peranginangin Klan zu bedenken hat



35. der ganz und gar töricht ist, der nicht denkt



36. Wenn ich die Last meines Lebens bedenke



37. O meine Freunde, die die Schrift meiner Worte lesen,



38. ob ihr meine Schwager seid oder meine Brüder



39. ihr, die ihr das Klagelied vom Sohn des Peranginangin Klans lest



40. wenn das Geschriebene auch fehlerhaft ist



41. nenne uns nicht unbedarft



42. es ist weil mein Herz gebrochen ist



43. deshalb ist das Geschriebene fehlerhaft



44. wenn ich daran denke, wie sich mein Weg ergoß



45. in dieses stromabwärts gelegene Land



46. dann tropfen meine Tränen



47. ich wische mein Gesicht mit meinem Kleid



48. daher ist diese Schrift fehlerhaft.



Anmerkungen



7 Zum Genitivanzeiger nu siehe. Hs. 44, Anmerkung zu Zeile 3.



8 Vgl. alang-alang mbentar alang-alang mbiring 'weder weiß noch schwarz', alang-alangen sich nicht entscheiden können, zweifelnd'. Si alang-alang énda bezieht sich hier wahrscheinlich darauf, daß er der mittelgeborene Sohn ist (weder der jüngste, noch der älteste) und soll wohl andeuten, daß er entschlußlos, zweifelnd ist.



15-16 Er wendet sich an die Leser mit der Bitte, sich nicht über die Mängel des Textes zu amüsieren, sondern zu beachten, daß er arm und unglücklich ist.



22-26 Der "Büffel aus dem Ort Limang" hat Hörner, die anstatt nach oben, nach unten gebogen sind, wie es gelegentlich bei Büffeln vorkommt. Auf freiem Feld fühlt er sich beengt, da ihn die Hörner beim Grasen behinderlich sind. Auf einem schmalen Pfad fühlt er sich frei, da seine Hörner sich nicht im Gebüsch verheddern können. Er trinkt trübes Wasser, da seine Hörner es vor dem Trinken bereits aufgewühlt haben, ißt trockenen Farn, da er an das kurze junge Gras nicht heranreichen kann. Der Ort Limang ist für seinen Büffelreichtum bekannt, weshalb die Büffel dort sprichwörtlich die Hörner nach unten gebogen haben, vermochte mir jedoch niemand zu erklären.



29-33 Siehe Anmerkung zu Hs. 11. Zum Genitivanzeiger nu siehe Anmerkung zu Zeile 7.



35 Melengang 'erstaunt, verblüfft' halte ich für einen Schreibfehler. Melengah 'töricht, dumm' paßt besser zu si séa rukur.

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